Mit Humboldt in den Botanischen Garten in Ulm

(Foto: Von Friedrich Georg Weitsch – Karin März, Gemeinfrei, Link)

Führungen am 14. und 15. September in den Gewächshäusern

Der Blick lädt ein: „Kommen Sie näher. Ich zeige Ihnen meine Sammlung.“ – Das war auf Papier – gemalt vor langer Zeit – nach seinen Reisen.
Jetzt konnte man im Botanischen Garten live erleben, was er erforscht hat. Es zeigt: Sein Blick auf die Welt ist heute aktueller denn je.  So wurde Alexander von Humboldt auch Thema der Herbstakademie in Ulm in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten.  

Auf in den Regenwald!   

Reiseführer im Botanischen Garten war Stefan Brändel. Er kennt den Regenwald aus eigener Erfahrung – also kein referiertes Buchwissen erwartete den Mitreisenden hier, sondern Erlebnis pur.
Staunen begann schon bei den Reisevorbereitungen: Informationen, Hilfen müssen dabei sein. Heute kann das mit einem Handy erledigt werden.
Was hatte Alexander von Humboldt dabei? Was will er erforschen? Und warum gerade Südamerika?

Die Ausrüstung für den Weg  

Was Humboldt für sein Forschen mitgenommen hatte, das wurde anschaulich vermittelt:
Da lagen Stapel von Büchern – darunter Schwergewichte zur Pflanzenbestimmung. Sie befanden sich im Reisegepäck Humboldts, so das bekannte Werk von Linné.

Kistenweise hatte Humboldt Messgeräte dabei. Bei der Führung gab ein Holzkästchen eine Vorstellung, wie das im kleinen Format ausgesehen haben könnte: Ein Kompass – nie war Humboldt ohne ihn unterwegs – Fernrohr und andere eigenartige Geräte – goldglänzend –  für das Bestimmen von Winkeln und anderem; dann eine Öllampe, der Regenwald sollte auch nachts erforscht werden.

Seine Reiseroute wurde in anschaulichen Darstellungen gezeigt – eine davon aus dem Buch von Andrea Wulf: Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, das auch Kinder ansprach. Neugierig kamen sie näher. 

(Foto: Ute Schäfer)

Hier gab es was zum Schauen, Staunen, ja zum Anfassen: Schlangenhaut, Fell, Steine. Ungläubige Fragen: „Sind die echt?“ –  Der Blick war über die vielen kleinen Käfer gegangen, jeder anders in seiner Form.

Forschen – auch ein ästhetisches Vergnügen

Dieses Vergnügen vermittelte schon allein das Anschauen der gepressten Pflanzen auf Herbarbögen;  Stefan Brändel zeigte Arbeiten einer Studentin, stellvertretend für diese Form der Konservierung.
Viele solcher Bögen hatte Humboldt von seiner Reise mitgebracht. Einen Eindruck davon erhielt man durch den jetzt erschienenen Bildband von H. Walter Lack. Humboldts Herbarbögen waren die Grundlage für die botanischen Illustrationen dieses Bandes. Staunen bei den Teilnehmern: Allein die getrockneten Pflanzen haben diese graphischen Schönheiten entstehen lassen.      
Wie Humboldt die Pflanzen transportierte, worin er sie teilweise schon während der Reise nach Berlin schickte, davon gibt das gemalte Bild oben eine Vorstellung.  

Die Originale und auch seine Zeichnungen befinden sich im Naturkundemuseum in Berlin und auch in Paris. Dass er Zeichnungen selbst anfertigen konnte, auf seinen Expeditionen nicht die Hilfe professioneller Zeichner brauchte, ist der Tatsache zu verdanken, dass er als Jugendlicher eine künstlerische Ausbildung in Zeichnen und Malen erhalten hatte.  

Südamerika – das Entstehen der ökologischen Idee

Die politische Situation, in der sich Europa damals befand, bestimmte das Reiseziel: Nur der König von Spanien erteilte ihm Reiseerlaubnis für die Forschungen. Und so wurden es die spanischen Kolonien in Süd- und Mittelamerika, in denen er forschte.

Das Forschen – disziplinübergreifend – hatte den Zweck, das Zusammenwirken der Kräfte in der Natur zu zeigen. Nicht nur die Arten und Kennzeichen der Lebewesen wollte er beschreiben, auch den Einfluss der atmosphärischen Luft, ihre chemische Zusammensetzung, die Beschaffenheit der Erdschichten und vieles mehr.  Was er sah, das beschrieb und zeichnete er in Zusammenhängen (heute Infografik); er zeigte, wie das eine vom anderen abhängt und nur da lebt, wo diese Wechselseitigkeit vorhanden ist. Das zu erkennen machte ihn zum Vordenker der ökologischen Idee.

In den Führungen am 14. und 15. September konnte man teilhaben an dem, was Humboldt im Regenwald gesehen und erlebt hat.
Auch während der Herbstakademie gab es Gelegenheit in den Mittagspausen mit Stefan Brändel durch den Regenwald zu streifen.

Neugierig geworden? Eigene Expeditionen? Wer neugierig geworden ist, kann sich selbst auf den Weg durch den Regenwald machen. Die Gewächshäuser im Botanischen Garten haben bis 15. Oktober mehrere Öffnungszeiten.
Ab 16. Oktober sind sie jeden ersten Sonntag im Monat von 14.00 – 16.00 Uhr geöffnet.
Im November kann der Regenwald sogar bei Nacht erlebt werden – Taschenlampen-Führungen, auch für Familien, öffnen den Blick auf Wundersames.
Und am 3. November geht es dann nach Asien: Rajasthan – ins Land der wilden Tiger – auf Alexander von Humboldts Spuren.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*