Eine Führung durch die »Unterwelt« der Universität Ulm

So nennt Baudirektor a.D. Eberhard Frey die Besichtigungstour durch die vorwiegend unterirdisch installierten Energieversorgungs-, Transport- und Sicherheitseinrichtungen für die Universität sowie BWK, RKU und die sonstigen Gebäude im Science Park I bis III. All diese Einrichtungen werden gesteuert und überwacht in einer Versorgungszentrale, der sogenannten Leitwarte, mit deren Besichtigung die Führung begann.

Diese Leitwarte ist rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb besetzt, denn sie muss für alle zentralen Anlagen im Science Park die Grundversorgung mit elektrischer Energie, Notstrom, Wärme und Kälte sicherstellen. Dazu werden alle wichtigen Systemfunktionen der weitgehend automatisch ablaufenden Anlagenprozesse auf Überwachungsmonitoren dargestellt. Bei auftretenden Funktionsstörungen wird ein Alarm ausgelöst und dem Operator auf dem Monitor angezeigt, der dann das technische Betriebspersonal mobilisiert und die Behebung der Störung koordiniert und überwacht.

Von der Leitwarte ging es runter in das Kellergeschoss. Dort stehen die Heizkessel und Kühlanlagen für den Bedarfsfall. Im Normalfall beliefert die Fernwärme Ulm GmbH (FUG) den Oberen Eselsberg mit Fernwärme für Heizung und Warmwasser sowie Fernkälte zur Klimatisierung der Räumlichkeiten. Die gesamte Heizungs- und Lüftungstechnik sowie die Kälteversorgung aller Kühlräume und -anlagen wird in der Leitwarte überwacht. Das gilt in besonderem Maße auch für die elektrische Energieversorgung.

So muss die Stromversorgungsanlage erhöhten Anforderungen gerecht werden, weil ein Stromausfall in der Klinik u.U. katastrophale Auswirkungen hätte, wenn beispielsweise lebenserhaltende medizinische Geräte ausfielen. Vor allem Operationsräume, medizinische Geräte, Sicherheitsbeleuchtung, Anlagen für den Rauch- und Wärmeabzug sowie zur Löschwasserversorgung und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen müssen gegen Stromausfall, auch im Brandfall, über eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) abgesichert sein. Dazu ist die Anlage redundant ausgelegt, und zusätzlich sind Pufferbatterien und Notstromdieselaggregate installiert, die im Bedarfsfall sofort anspringen.    

Weiter ging die Führung durch kilometerlange unterirdische Verbindungskanäle zwischen der Versorgungszentrale und der Uni, in denen ein Transportsystem, das mich an die Wuppertaler Schwebebahn erinnerte, installiert ist. Dort verkehren an langen Schienen aufgehängte Transport-Container automatisch zur Belieferung bzw. Entsorgung von Speisen, Wäsche, Medikamenten, Lagergütern und Müll. Die Container sind entsprechend dem zu befördernden Transportgut deutlich lesbar gekennzeichnet und werden stets nur damit befüllt, also immer nur Speisen oder immer nur Medikamente, etc. Am jeweiligen Absendeort wird lediglich die Zieladresse für den Container eingegeben, dann geht alles automatisch. Alle von der Uni zurückkehrenden Container fahren in der Versorgungszentrale automatisch durch eine Art „Waschstraße“, wo sie gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Weiter ging die Führung Richtung Uni. Dort bekamen wir noch einen Einblick in die Sprinkleranlage mit ihrem riesigen Wasservorratstank und Druckluftbehälter, die im Brandfall das jeweils betroffene Gebäudesegment – und nur dieses! – unter Wasser setzt.

Anschließend wurde uns die Rohrpostanlage für die hausinterne Verteilung von Dokumenten, Medikamenten oder Blutproben etc. gezeigt. In der Anlage werden die Transportbehältnisse mittels Luftdruck durch die Rohrleitungen „geschossen“. Das ist wichtig, denn gerade für die Blutprobenuntersuchung im Labor und deren Ergebnisbericht ist ein möglichst schneller Transport erforderlich.

Den krönenden Abschluss der Führung bildete schließlich der Aufstieg zum Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach der neuen Chirurgie. Dort hatten wir einen herrlich Rundumblick über den Science Park und weit darüber hinaus.

Es war eine sehr interessante Führung an Orte, die man normalerweise nicht zu sehen bekommt.

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