Anekdote aus dem Bus 200

Erlebnisbericht mit dem Bus 200 – einmal quer durch Berlin.

Ich gehe bei gefühlten 40 Grad durch die Hackesche Höfe, beobachte lauter junge Leute, viele kleine Geschäfte mit gemütlichen Bänken vor dem Laden und beschließe trotzdem, es reicht! Ich gehe an den Alexanderplatz zu einer Bushaltestelle Richtung Zoologischer Garten.

Bus fahren als touristisches Muss

Am Tag zuvor bin ich mit dem 100er Bus gefahren, der an allen Attraktionen von Berlin vorbei fährt, nun wollte ich den 200er Bus nehmen, der wie der 100er ein touristisches Muss ist. Nach meinem Wissen sollte er die verschiedenen Botschaften anfahren.
Da stehe ich nun, drei Busse sind angekündigt, unter anderem der 200er, aber er kommt und kommt nicht. Ich setze mich unerlaubter Weise auf die Bänke eines Lokals und warte, immerhin sitzend. Nach 20 min erschien der 200er Bus, nachdem alle anderen Busse vorgefahren sind.
Ich setze mich bewusst nach vorne, sitze zu tief und hoffe, dass der vordere Platz bald frei wird, was nach drei Haltestellen auch geschah. Nun hatte ich meinen Beobachtungsposten.

Die neue Strecke

Der Bus fuhr allerdings eine ganz neue Strecke, was mir auch recht war.
Es ging vorbei rechts vom roten Rathaus, dann folgte das, Nikolai-Viertel und dann die Leipziger Straße mit ihrer alten DDR-Pracht. In der Ferne war der Potsdamer Platz zu sehen den der Fahrer rasch durchquerte.
Nun war die erste Geduldsprobe angesagt, da er rechts abbiegen musste. Es entstand ein Stau, obwohl nur sechs Autos vor dem Bus standen. Zwei kamen jeweils nur durch.
Hier hatten Radfahrer und e-Scooter das Vorrecht, dann kamen noch mehrere Fußgänger die gemütlich, fröhlich plaudernd die Straße querten.
Der Busfahrer mit kräftigen Unterarmen und Fingern, mehr war von ihm nicht zu sehen, zeigte eine gewisse Unruhe mit unverständlichem Murmeln. Nach drei Ampelphasen ging die Fahrt endlich weiter. Links die Philharmonie und die Baden-Württembergische Vertretung, rechts der Tiergarten mit vielen, vielen Radfahrern und e-Scootern.
Um die Haltestelle anzufahren, musste sich der Fahrer zwischen den Radfahrern einen Weg bahnen.Genauso musste er sich den Weg wieder auf die Straße zurück bahnen um sich in den allgemeinen Verkehr einzufädeln.Irgend jemand hupte, ein Radfahrer schaute sich wütend um, der Busfahrer fuhr ruhig weiter Richtung Zoo.
Jetzt fuhr ihm ein Motorrollerfahrer mit Begleitperson quer vor die Motorhaube, er musste abrupt bremsen um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Er ruft diesem zuerst etwas auf bayrisch, dann berlinerisch zu, der Motorradfahrer lachte und winkte ihm fröhlich zu.Der Motorrollerfahrer fuhr dann plötzlich auf die Gegenfahrbahn, der Busfahrer brüllte: jetzt fährt er auch noch auf der falschen Fahrbahn. Dann stoppte er abrupt den Bus, stand auf, und fragte die die Businsassen ob jemand verletzt sei. Keiner meldete sich. Die Fahrt ging weiter bis zum Bahnhof Zoo, ich sagte beim Aussteigen: Ihre Nerven wollte ich haben, daraufhin lachte er, und sagte: meine Frau sagt mir das auch immer.
Er wünschte mir einen schönen Abend und ich setzte meine Fahrt, um ein Berliner Erlebnis reicher, mit der U9 fort.